Die Schweiz ist vielleicht nicht das erste Land, an das man denkt, wenn es um Mode geht. Dennoch gibt es hier zahlreiche Bekleidungsmarken mit sehr unterschiedlichen Identitäten, vom traditionsreichen Luxushaus mit über hundertjähriger Geschichte bis hin zum jungen Label, das auf natürliche Materialien, kleine Produktionsserien oder eine lokalere Fertigung setzt.
Was diese Marken verbindet, ist dabei nicht zwangsläufig eine vollständig in der Schweiz erfolgende Produktion. Einige entwerfen ihre Kollektionen in Genf, Zürich, St. Gallen oder Graubünden und lassen sie anschliessend in Europa oder bei spezialisierten Ateliers im Ausland fertigen. Andere haben sich bewusst dafür entschieden, einen bedeutenden Teil ihrer Produktion in der Schweiz zu behalten.
Um die Vielfalt der Schweizer Mode heute besser zu verstehen, stellen wir Ihnen mehrere Schweizer Modemarken für Damen vor, die man kennen sollte, mit ihren unterschiedlichen Ansätzen, Stilen und Besonderheiten.
Was definiert eigentlich eine Schweizer Modemarke?
Von einer «Schweizer Marke» zu sprechen bedeutet nicht automatisch, dass ihre Kleidung auch in der Schweiz hergestellt wird.
Eine Marke kann in der Schweiz gegründet und geführt werden, dort ihre Kollektionen und ihre Identität entwickeln und gleichzeitig mit europäischen Ateliers für die Produktion zusammenarbeiten. Umgekehrt haben einige Labels einen Teil ihrer Fertigung im Land behalten, insbesondere bei Strickwaren, Wollprodukten oder Kleidungsstücken, für die besonderes handwerkliches Know-how erforderlich ist.
Diese Vielfalt zeigt sich besonders deutlich bei den unten vorgestellten Marken. Einige zeichnen sich durch Präzision und Minimalismus aus, andere durch ihre Prints, ihren handwerklichen Ansatz oder ihr Engagement für eine transparentere Produktion.
1. Avani Apparel, Damenmode aus Genf
Die in der Schweiz gegründete Marke Avani Apparel entwickelt ihre Kollektionen in Genf mit einer einfachen Idee: Damenbekleidung zu entwerfen, die vielseitig genug ist, um regelmässig getragen zu werden, anstatt eine Vielzahl stark saisonaler Kleidungsstücke anzubieten.
Die Kollektionen setzen auf feminine Silhouetten, die sich leicht kombinieren lassen und sowohl für einen Arbeitstag als auch für einen eleganteren Anlass geeignet sind. Die Marke legt zudem grossen Wert auf die Auswahl ihrer Materialien und verwendet unter anderem TENCEL™, Modal™, ECOVERO™, Leinen und Merinowolle.
Das Design entsteht in der Schweiz, während die Fertigung europäischen Ateliers anvertraut wird. Gleichzeitig verfolgt die Marke das Ziel, mehr Transparenz über die verwendeten Materialien und die Herstellung ihrer Kleidungsstücke zu schaffen.
Dieser Ansatz zeigt sich auch im Aufbau der Garderobe. Die Damenkleider lassen sich beispielsweise je nach Anlass unterschiedlich stylen, während die Blusen und Hemden für Damen sowohl für professionelle als auch für lässigere Looks geeignet sind.
Avani verbindet damit mehrere Entwicklungen, die die zeitgenössische Schweizer Mode prägen: zurückhaltendes Design, europäische Produktion, eine bewusste Materialauswahl und der Anspruch, Kleidung zu entwerfen, die über eine einzelne Saison hinaus relevant bleibt.

2. Akris, das grosse Modehaus aus St. Gallen
Über Schweizer Mode zu sprechen, ohne Akris zu erwähnen, ist kaum möglich.
Das Unternehmen wurde 1922 in St. Gallen von Alice Kriemler-Schoch gegründet. Ursprünglich begann das Haus mit der Herstellung von Schürzen, bevor es sich im Laufe der Zeit zu einem international bekannten Modehaus entwickelte.
Seine Welt unterscheidet sich deutlich von der vieler junger unabhängiger Marken. Akris ist im Luxussegment tätig und wurde insbesondere für die Präzision seiner Schnitte, seine intensive Auseinandersetzung mit Materialien, seine Double-Face-Stoffe und die Nutzung textiler Kompetenzen aus der Region St. Gallen bekannt.
Die Ästhetik der Marke basiert meist auf klaren Linien und einer zurückhaltenden Form von Eleganz.
Akris verkörpert damit eine historischere und etabliertere Seite der Schweizer Mode: die eines Hauses, das eine internationale Identität entwickelt hat und gleichzeitig besonders eng mit seinen Schweizer Wurzeln verbunden geblieben ist.
3. Sanikai, ein zeitgemässer Ansatz für verantwortungsvollen Luxus
In Zürich bietet Sanikai eine weitere Interpretation der Schweizer Mode.
Die Marke entwickelt eine hochwertige Damengarderobe und legt besonderen Wert auf Materialien, Produktionsmengen und die Art und Weise, wie ihre Kleidungsstücke hergestellt werden.
Ein Teil ihres Ansatzes basiert insbesondere auf kleinen Produktionsserien und der Fertigung auf Bestellung. Dadurch kann die Herstellung von Kleidungsstücken reduziert werden, die am Ende möglicherweise nicht verkauft würden, während die Marke gleichzeitig ihre stärker auf Luxus und Kreativität ausgerichtete Positionierung beibehält.
Ihre Ästhetik kann ausgeprägter sein als die von Marken, die einen sehr strikten Minimalismus bevorzugen. Kleider, Blusen und strukturierte Kleidungsstücke bilden eine Welt, die zeitgenössisches Design mit einer bewussten Auseinandersetzung mit der Produktion verbindet.
Sanikai verdeutlicht vor allem einen wichtigen Punkt: Eine Marke, die verantwortungsvollere Mode entwickeln möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig eine besonders zurückhaltende oder funktionale Ästhetik verfolgen.
4. KOMANA, Prints und handwerkliches Können
KOMANA bringt eine weitere Perspektive in die Schweizer Modelandschaft.
Das Label wurde von den Schwestern Nina und Livia gegründet und hat eine besonders wiedererkennbare Identität entwickelt, die sich um Prints, Farben und grafische Gestaltung dreht.
Im Gegensatz zu den sehr klaren Linien, die häufig mit Schweizer Design verbunden werden, setzt KOMANA auf ausdrucksstärkere Muster. Die Entwürfe können beispielsweise aus Zeichnungen, Gemälden oder Collagen entstehen, bevor sie auf Textilien übertragen werden.
Für die Produktion arbeitet die Marke anschliessend mit unterschiedlichen Fachleuten und spezialisierten Partnern zusammen, insbesondere bei bestimmten handwerklichen Drucktechniken.
KOMANA ist somit ein gutes Beispiel für eine Marke, deren Identität in der Schweiz entwickelt wird, ohne dass sämtliche Produktionsschritte zwingend auf Schweizer Boden stattfinden.
Die schweizerische Identität der Marke liegt in diesem Fall stärker in ihrer kreativen Welt, ihrer Produktentwicklung und in der Art und Weise, wie sie ihre Produktionspartner auswählt.
5. Muntagnard, Schweizer Minimalismus und Textilforschung
Die aus Graubünden stammende Marke Muntagnard baut einen grossen Teil ihrer Identität auf Design, die Langlebigkeit ihrer Kleidungsstücke und textile Forschung auf.
Design und Entwicklung finden in der Schweiz statt, während die Produktion je nach Kleidungsstück zwischen der Schweiz und verschiedenen europäischen Partnern aufgeteilt werden kann.
Einer der interessantesten Aspekte der Marke ist ihre Arbeit mit Materialien. Wolle spielt in einigen Kollektionen eine wichtige Rolle, ergänzt durch weitere Fasern, die aufgrund ihrer Eigenschaften und ihrer Langlebigkeit ausgewählt werden.
Die Ästhetik bleibt relativ zurückhaltend. Die Kleidungsstücke sind darauf ausgelegt, über längere Zeit getragen zu werden, anstatt ausschliesslich auf einen kurzfristigen Trend zu reagieren.
Auch bei Avani spielt die Auseinandersetzung mit Materialien eine wichtige Rolle. Für Frauen, die nach solchen Textilien suchen, bietet die Marke unter anderem eine Auswahl an Kleidung aus Merinowolle sowie Kleidung aus TENCEL™.
6. erfolg, Strickwaren aus der Schweiz
Unter den Labels, die eine besonders enge Verbindung zur Schweizer Produktion bewahrt haben, nimmt erfolg eine interessante Stellung ein.
Die Marke wurde in den 1990er-Jahren in Basel gegründet und entwickelte sich insbesondere rund um T-Shirts und Strickwaren.
Das Sortiment umfasst Pullover, Cardigans und weitere Kleidungsstücke aus Materialien wie Wolle, Baumwolle oder Leinen. Die Marke hebt zudem hervor, dass ein Teil ihrer Produktion in der Schweiz stattfindet.
Dieser Ansatz unterscheidet erfolg von vielen Schweizer Marken, die ihre Produkte zwar lokal entwickeln, die Fertigung jedoch in andere europäische Länder verlagert haben.
Für Menschen, denen eine lokale Herstellung besonders wichtig ist, stellt erfolg daher eine interessante Marke dar, die es zu entdecken lohnt.
Nicht alle Schweizer Marken vertreten dieselbe Vision von Mode
Diese Beispiele zeigen vor allem, dass es nicht nur eine einzige Definition von Schweizer Mode gibt.
Akris steht für eine lange Tradition von Luxus und textilem Know-how. erfolg setzt stark auf lokale Produktion. Muntagnard beschäftigt sich mit textiler Innovation und der Langlebigkeit von Kleidungsstücken. KOMANA hebt sich durch Prints und einen kreativen Ansatz hervor. Sanikai verfolgt ein Modell, das stärker auf hochwertige Mode und kleine Produktionsserien ausgerichtet ist.
Avani wiederum nimmt eine andere Position ein: mit Damenbekleidung, die in der Schweiz entworfen und in Europa produziert wird, sowie mit dem Anspruch, eine vielseitige Garderobe aus sorgfältig ausgewählten Materialien zu entwickeln.
Für Konsumentinnen geht es daher weniger darum, «die beste Schweizer Marke» zu finden, sondern vielmehr darum herauszufinden, was sie tatsächlich von einem Kleidungsstück und von einer Marke erwarten.
Wie wählt man eine Schweizer Modemarke für Damen aus?
Das Land, in dem ein Unternehmen seinen Sitz hat, reicht nicht aus, um die Qualität oder die Verantwortung hinter seinen Kleidungsstücken zu beurteilen.
Mehrere Kriterien helfen dabei, besser zu verstehen, was man tatsächlich kauft.
Darauf achten, wo die Kleidung hergestellt wird
Wird das Kleidungsstück in der Schweiz, in einem anderen europäischen Land oder anderswo hergestellt?
Eine Produktion im Ausland ist nicht zwangsläufig problematisch. Es lohnt sich jedoch zu prüfen, ob die Marke transparent erklärt, wo ihre Kleidung produziert wird und mit welchen Arten von Partnern sie zusammenarbeitet.
Auf die Materialien achten
Auch die Zusammensetzung eines Kleidungsstücks ist ein wichtiger Faktor.
Naturfasern, künstlich hergestellte Zellulosefasern, recycelte Materialien und synthetische Fasern besitzen jeweils unterschiedliche Eigenschaften.
Die Wahl hängt daher sowohl von den Erwartungen an die Langlebigkeit als auch vom gewünschten Tragekomfort, von der Jahreszeit und von der vorgesehenen Nutzung des Kleidungsstücks ab.
Avani bietet beispielsweise verschiedene nach Materialien gegliederte Kollektionen an, darunter Kleidung aus Bio-Baumwolle, ergänzend zu den Kollektionen aus Merinowolle und TENCEL™.
Kleidung wählen, die sich leicht tragen lässt
Die Langlebigkeit eines Kleidungsstücks hängt nicht nur von seiner Zusammensetzung ab.
Ein gut entworfenes Kleidungsstück, das sich einfach kombinieren lässt und für verschiedene Anlässe geeignet ist, wird in der Regel mit höherer Wahrscheinlichkeit regelmässig getragen.
Eine Bluse, die sowohl im Büro als auch am Wochenende mit einer Jeans getragen werden kann, ein Kleid, das sich elegant oder lässiger stylen lässt, oder ein schlichter Pullover, der mit verschiedenen Unterteilen kombiniert werden kann, können innerhalb einer Garderobe langfristig mehr Wert bieten als ein Kleidungsstück, das stark an einen bestimmten Trend gebunden ist.
Die Transparenz der Marke prüfen
Schliesslich hilft Transparenz häufig dabei, Marketingaussagen von wirklich hilfreichen Informationen zu unterscheiden.
Eine Marke, die erklären kann, wo ihre Kleidungsstücke hergestellt werden, welche Materialien sie verwendet, welche Zertifizierungen relevant sind und wie ihre Kollektionen entwickelt werden, bietet Konsumentinnen mehr konkrete Informationen, auf deren Grundlage sie eine informierte Entscheidung treffen können.

Schweizer Mode, weit mehr als «Swiss Made»
Die Schweizer Mode ist letztlich wesentlich vielfältiger, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.
Sie umfasst traditionsreiche Modehäuser, unabhängige Labels, Spezialisten für Strickwaren, Luxusmarken und jüngere Unternehmen, die versuchen, die Art und Weise neu zu denken, wie Kleidung entworfen und hergestellt wird.
Vor allem aber bedeutet «Schweizer Marke» nicht automatisch «in der Schweiz hergestellte Kleidung».
Entscheidend ist vielmehr zu verstehen, wo jede Marke ihren Wert schafft: im Design, in den Materialien, im handwerklichen Know-how, in der lokalen Produktion, in der Zusammenarbeit mit Ateliers oder in der Langlebigkeit ihrer Produkte.
Für Konsumentinnen bedeutet diese Vielfalt, dass sie heute Schweizer Marken mit sehr unterschiedlichen Stilen, Preisniveaus und Produktionskriterien entdecken können, ohne sich auf eine einzige Vorstellung von Schweizer Mode beschränken zu müssen.