Heute bestehen mehr als 70 % der weltweit produzierten Kleidung aus synthetischen Fasern.
Die Textilindustrie gilt als eine der umweltschädlichsten Branchen überhaupt — direkt nach der Ölindustrie. Das liegt vor allem daran, dass die meisten synthetischen Fasern in Kleidung aus petrochemischen Rohstoffen hergestellt werden.
Zu den bekanntesten gehören Polyester, Elasthan und Acryl.
Diese Materialien entstehen durch chemische Synthese aus erdölbasierten Bestandteilen. Vereinfacht gesagt handelt es sich um Kunststofffasern, die so verarbeitet werden, dass sie natürlichen Stoffen ähneln.
Um Alternativen besser zu verstehen, lies auch unseren Artikel über natürliche Fasern und ihre Vorteile.
Warum galt Polyester lange als "Wunderfaser"?
Über Jahrzehnte hinweg wurde Polyester als textile Innovation gefeiert.
Es musste kaum gebügelt werden, ist formstabil, knitterarm sowie widerstandsfähig gegen Flecken und Abnutzung.
Diese Eigenschaften erklären den weltweiten Erfolg von Polyester Kleidung.
Doch diese technischen Vorteile sind das Ergebnis industrieller Prozesse und chemischer Ausrüstungen.
Ein knitterfreier oder besonders robuster Stoff ist kein natürliches Phänomen — oft kommen spezielle chemische Behandlungen zum Einsatz.
Polyester: Umweltauswirkungen und Grenzen
Die Polyester Umweltauswirkungen stehen zunehmend im Fokus, da Polyester heute die am häufigsten verwendete synthetische Faser in der Bekleidungsindustrie ist.
Energieintensive Herstellung
Die Produktion von Polyester und anderen synthetischen Fasern erfordert:
- Rohstoffe auf Erdölbasis
- einen hohen Energieeinsatz
- komplexe chemische Verfahren
Dabei entstehen Luftemissionen sowie belastetes Abwasser.
Die unsichtbare Verschmutzung durch Mikroplastik
Die Problematik beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Herstellung.
Auch im Alltag verursachen synthetische Fasern in Kleidung Umweltbelastungen.
Bei jedem Waschgang lösen sich aus Polyester Kleidung tausende Mikroplastik-Fasern.
Diese winzigen Partikel sind so klein, dass sie Kläranlagen passieren und schließlich in Flüsse, Meere und Ozeane gelangen.
Diese Form der Textilverschmutzung trägt zur Belastung aquatischer Ökosysteme bei und fördert die Anreicherung von Plastik in der Nahrungskette.
Synthetische vs natürliche Fasern: bewusst entscheiden
Das bedeutet nicht, dass Kleidung aus synthetischen Fasern grundsätzlich vermieden werden muss.
In bestimmten Bereichen — etwa bei Sportbekleidung oder elastischen Materialien — können sie funktionale Vorteile bieten.
Doch wer die Unterschiede zwischen synthetischen vs natürlichen Fasern versteht, kann fundiertere Entscheidungen treffen.
Neben den ökologischen Aspekten spielt auch der Komfort und die Hautgesundheit eine wichtige Rolle.
Polyester Kleidung besteht aus inerten synthetischen Fasern.
Im Gegensatz zu natürlichen Fasern sind sie keine „lebendigen“ Materialien — sie regulieren weder Feuchtigkeit noch Körpertemperatur.
Da Polyester weniger atmungsaktiv ist, staut sich Schweiß schneller. Das begünstigt die Bildung geruchsverursachender Bakterien und kann empfindliche Haut reizen.
Oft müssen solche Kleidungsstücke bereits nach ein- bis zweimaligem Tragen gewaschen werden.
Natürliche Fasern hingegen nehmen Feuchtigkeit auf, lassen die Haut atmen und reduzieren Gerüche auf natürliche Weise.
Häufig genügt einfaches Lüften, um das Kleidungsstück aufzufrischen — was auch die Waschhäufigkeit reduziert.
👉 Lies auch unseren Artikel darüber, wie wir die ökologischen Auswirkungen unserer Kleidung reduzieren können.
Synthetische Fasern in Kleidung haben die Textilindustrie durch ihre technischen Eigenschaften maßgeblich geprägt.
Doch ihre Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen, die energieintensive Herstellung und die Freisetzung von Mikroplastik werfen wichtige Umweltfragen auf.
Wer sich über Materialien informiert, die Polyester Umweltauswirkungen versteht und Alternativen kennt, kann Mode bewusster und verantwortungsvoller konsumieren.